Wandelwerk · HintergrundVision Board oder Visionsentwicklung?

Ein Vision Board ist ein schöner Anfang. Warum es allein selten reicht, was die Forschung zu Wunschbildern sagt und was ein Tag Visionsentwicklung anders macht.

Was ist ein Vision Board?

Ein Vision Board ist eine Collage aus Bildern, Wörtern und Zitaten, die zeigt, wie Dein Leben aussehen soll. Viele gestalten es um den Jahreswechsel, mit Zeitschriften, Schere und Kleber oder digital. In München gibt es dafür eigene Workshops, meist zwei bis vier Stunden lang und mit kreativem Schwerpunkt.

Das hat seinen Wert. Du nimmst Dir Zeit, schaust bewusst hin und merkst, was Dich anspricht. Für viele ist das der erste Moment seit Langem, in dem sie überhaupt über ihre Zukunft nachdenken, statt nur den nächsten Termin abzuarbeiten.

Was die Forschung zu Wunschbildern sagt

Die Psychologin Gabriele Oettingen hat über Jahre untersucht, wie Zukunftsbilder auf unser Handeln wirken. Ein überraschendes Ergebnis: Wer sich die Zukunft nur in schönen Bildern ausmalt, strengt sich danach in mehreren Studien weniger an und erreicht seine Ziele seltener.1 Eine Erklärung: Das positive Bild fühlt sich schon ein wenig so an, als wäre das Ziel erreicht. Die Energie, es wirklich anzugehen, sinkt.2

Deutlich besser wirkt, den Wunsch und das, was ihm im Weg steht, bewusst nebeneinanderzustellen. Oettingen nennt das mentales Kontrastieren.3 Dazu kommen Wenn-dann-Pläne: „Wenn Situation X eintritt, dann tue ich Y.“ Eine Auswertung von 94 Studien zeigt, dass solche Pläne die Chance, ein Ziel zu erreichen, spürbar erhöhen.4

Das Bild ist also nicht das Problem. Es fehlt oft, was davor und danach kommt.

Was davor fehlt: Wo stehst Du, und was zählt für Dich?

Ein Vision Board zeigt, was Dir gefällt. Aber Bilder aus Magazinen und von Instagram tragen oft Vorstellungen in sich, die gar nicht Deine sind: das perfekte Haus, die nächste Beförderung, der Strand. Wer nicht vorher klärt, was ihm selbst wichtig ist, klebt schnell die Wünsche anderer an die Wand.

Deshalb beginnt Visionsentwicklung nicht mit Bildern, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wo stehst Du in den wichtigen Bereichen Deines Lebens? Was sind Deine Stärken und Werte? Und wie sehen Dich Menschen, die Dich gut kennen?

Was danach fehlt: Vom Bild zum ersten Schritt

Viele Vision Boards hängen im Februar noch an der Wand, aber niemand schaut mehr hin. Zwischen „So soll mein Leben aussehen“ und dem nächsten Montag fehlt die Brücke: ein Schwerpunkt für das Jahr, konkrete erste Schritte und ein Plan dafür, was Du tust, wenn der Alltag dazwischenkommt.

Vision Board Workshop und Visionsentwicklung im Vergleich

Vision Board WorkshopVisionsentwicklung bei Wandelwerk
Dauermeist 2 bis 4 Stundenein ganzer Tag, 9 bis 18 Uhr
Schwerpunktkreativ gestaltenreflektieren, schreiben, planen
GrundlageBilder und Intuitionpsychologisch fundierte Übungen
Ergebniseine Collageeine schriftliche Vision für die nächsten fünf Jahre, ein Schwerpunkt für das Jahr, Wenn-dann-Pläne und das Material für Dein Board
Danachdas Board an der Wandein Workbook mit Check-ins über zwölf Monate
Begleitungje nach Anbietereine approbierte Psychotherapeutin und ein Coach

Wann ein Vision Board reicht und wann nicht

Wenn Du schon ziemlich genau weißt, was Du willst, und einen kreativen Nachmittag suchst, ist ein Vision Board Workshop eine gute Wahl.

Wenn Du dagegen unsicher bist, wohin es gehen soll, wenn Du schon Boards gestaltet hast, die heute in der Schublade liegen, oder wenn Du verstehen willst, was Dich wirklich antreibt, brauchst Du mehr Zeit und mehr Struktur. Dafür haben wir die Visionsentwicklung gebaut.

So läuft ein Tag Visionsentwicklung ab

Der Tag folgt sechs Bausteinen. Alles, was Du erarbeitest, schreibst Du in Dein eigenes Workbook.

Ein fertiges Vision Board nimmst Du übrigens bewusst nicht mit nach Hause. Du nimmst das Material dafür mit: die Bereiche, die Formulierungen, die Bilder in Deinem Kopf. Wie Du Dein Board danach gestaltest, bleibt Dir überlassen. Es zeigt dann aber Deine eigene Vision.

Quellen

  1. Oettingen, G. & Mayer, D. (2002). The motivating function of thinking about the future: Expectations versus fantasies. Journal of Personality and Social Psychology, 83(5), 1198–1212. ↩
  2. Kappes, H. B. & Oettingen, G. (2011). Positive fantasies about idealized futures sap energy. Journal of Experimental Social Psychology, 47(4), 719–729. ↩
  3. Oettingen, G., Pak, H. & Schnetter, K. (2001). Self-regulation of goal setting: Turning free fantasies about the future into binding goals. Journal of Personality and Social Psychology, 80(5), 736–753. ↩
  4. Gollwitzer, P. M. & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119. ↩